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Zwillingskristall aus Diamant und Kot


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Zwillingskristall aus Diamant und Kot

Caroline Mary
Verlag: Matthes & Seitz
ISBN-10: 3882210230
ISBN-13: 978-3882210231
429 Seiten
39,90 Euro


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Rezension von Daniel Bigalke

Es gibt nur einen, der die moderne Gottlosigkeit derartig schroff brantmarkte, daß er darüber selbst brutal und gottlos scheinen mag - dies war Leon Bloy. Die Person Bloy versteht sich im Gegenzug aber nur dadurch, daß er selbst als gallikanischer Katholik einen eigenen Glauben lebte und dem römischen Weg der Amtskirche nicht zugeneigt war.

Über jenen Leon Bloy, der für Heinrich Böll, Ernst Jünger oder Walter Benjamin eine glühende Offenbarung der Erkenntnis und ein hoffnungsgebender Wegweiser für das Leben war, liegt nunmehr eine umfassende, erste und überaus kenntnisreiche Studie vor. Der Verlag Matthes und Seitz brachte dieses Buch über einen besonderen Menschen heraus, der es schon als Kind für überaus nobel hielt, zu leiden und zu verzichten, da hierin das eigentlich Göttliche liege. - Gott läßt für Bloy den wissenden Menschen seinen Schmerz der Existenz ertragen: "Tout ce qui arrive est adorable." Alles was geschieht ist zu begrüßen, zu ertragen. Es hat seinen Sinn im Weltenplan - so auch das tiefste Elend.

Das ungewöhnliche Denken Bloys liegt heute in sechzehn Bänden vor und ist getränkt von christlicher Anthropologie und Schmerz. Um sein Wirken in Deutschland zu verstehen, wird man in Zukunft an dem vorliegenden Band nicht vorbeikommen. Ohne ihn wäre Bloy sicherlich als "katholischer Fanatiker", der sich selbst als Werkzeug Gottes sah, verdammt geblieben, ohne seine Anliegen selbst zu verstehen.

Leon Bloy, den Ernst Jünger einen "Zwillingskristall aus Diamant und Kot" nannte, besticht heute unverändert durch seine Absolutheit der Überzeugung, nach der Leiden und Schmerz erst zum Leben hinführten. Es verwundert nicht, daß damit eine fundierte Polemik gegen ein verbürgerlichtes Christentum, ein verweichlichtes Bürgertum verbunden ist, welche die Kümmerlichkeit und nörgelnde Sattzufriedenheit vergreister Profiteure des Materialismus und deren Furcht vor allen Höhen und Tiefen des Lebens, vor dem, was man historische Kontingenz nennt, gnadenlos an den Pranger stellt. In diesem - nach Bloy - "Schweinetum der Moderne" tritt allein der Bettler noch als Personifizierung Gottes auf und hält der sich in prächtigen Empfängen der Dekadenz sonnenden Amtskirche ihren hedonistischen und damit nicht-christlichen Spiegel vor.

Die Schriften des "Monstrums" Bloy kursierten sogar im Deutschen Widerstand bei den Gefährten der Weißen Rose. So weist die Autorin vorliegender Studie darauf hin, daß Hans Scholl die Armut Bloys, die zum absoluten Christentum führe, sehr bewunderte. Es scheint als habe Bloy stets allen leidenden Intellektuellen des 20. Jahrhunderts Kraft und Zuversicht gewährt.

Caroline Mary führt in Bloys Denken ein und zeigt den Einfluß, den Bloy auf die Literatur ausübte. Er zählt zu den faszinierendsten Gestalten des französischen Fin de Siècle und wie Barbey d'Aurevilly zu den großen unbequemen Geistern Frankreichs. Zu der Reihe deutscher Intellektueller, deren Schriften den Fußabdruck Bloys erkennen lassen, zählen nicht nur Hugo Ball und die Dadaisten, Ernst Jünger, Carl Schmitt und Thea Sternheim, sondern ebenso Autoren wie Franz Kafka, Karl Kraus, Friedrich Glauser, Getrud Fusseneger, Walter Benjamin und Heinrich Böll.

Das Buch ist eine vorzügliche Leistung, deren Wirkung dann erst vollends entfaltet ist, wenn erkannt wird, in wie vielen deutschen Werken der genannten Autoren Bloys Gedankengut auf fruchtbaren Boden fiel und damit weiter gerade im Dienste des Katholizismus den Wohlstandskatholizismus verdammte. - "Leon Bloy ist nicht abzulehnen. Gott braucht ihn im Weltplan." (Thea Sternheim)






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