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Paul McCartney - Die Biografie Peter Ames Carlin Verlag: Hannibal Verlag ISBN-10: 3854453175 ISBN-13: 978-3854453178 476 Seiten 19,95 Euro
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Rezension von Daniel Bigalke
Das Werk des Musikers Paul McCartney ist gewaltig. Den Erfolg der
berühmten
Gruppe aus Liverpool setzte er mit einem Solowerk fort, das Höhen und
Tiefen
enthält und fast unüberschaubar ist. McCartney wird heute immer noch so
sehr
verehrt, daß seine Kinder vom Boulevard vergleichsweise vorsichtig
angefaßt
werden. Sie selbst sind erfolgreich: Stella ist Designerin, Mary eine
berühmte
Fotografin (ihrer Mutter nachfolgend), James versucht sich in den
Fußstapfen
Paul McCartneys und trat auf dem Album "Flaming Pie" seines Vaters
selbst auf.
Das vorliegende Buch ist die umfassendste und aktuellste
Gesamtbiographie der
Gegenwart, die jeden Einschnitt und jedes Geschehen aus dem Leben
McCartneys
fokussiert und dabei das Wichtigste interessant abhandelt. Das Buch
zeigt gut,
wie es ihm immer wieder gelingt, mit unentwegter Produktion neuer
Platten Perlen
der Musik zu fabrizieren, die alle zu sammeln bei vielen Fans die Regale
platzen
lassen würden. Er ist stilistisch - so zeigt sich heute - keinesfalls
festgefahren. Der Autor zeigt bei der Abhandlung der einzelnen Jahre,
wie
McCartney immer wieder versuchte, den Geist der Zeit musikalisch zu
erfassen, um
nicht künstlerisch abzusteigen. Dazu holte er sich stets neue Expertise
ins
Studio: Michael Jackson, Stevie Wonder, Phil Collins, Elvis Costello,
Eric
Stewart, Youth, Dave Spinozza. Interessant ist, wie Carlin die
Geschichte der
Band Wings und deren permanentes Zerbrechen porträtiert. Oft lag es
einfach
daran, daß den weiteren Mitgliedern zu wenig Gestaltungsspielraum im
Schatten
des Frontmannes McCartney gegeben wurde oder aber Versprechungen von
Honorarsteigerungen nicht eingehalten wurden. Andererseits zeigte sich
McCartney
gegenüber seinen Wings-Mitgliedern der frühen 70er Jahre stets
fürsorglich und
zahlte ihnen pünktlich ein konstantes Wochen-Taschengeld.
Rückblick: Ende 1969 also beginnt Paul McCartney an dem ersten Soloalbum
"McCartney" zu arbeiten, das er komplett selbst einspielt. Er gründet
mit Linda Wings. Die Liebe und Verehrung, die der Musiker heute erfährt,
kann
natürlich auch der Härte verschuldet sein, mit der man seinem neuen Weg
seinerzeit vielfach begegnet. McCartney reiht in den 70er Jahren eine
musikalische Niederlage an die andere, neigt dem Whisky zu und fällt
nach der
Beatles-Trennung in ein extrem tiefes Loch, rasiert sich nicht mehr,
fühlt sich
unnütz. Dem Autor gelingt es dennoch im Gegenzug gut darzustellen, wie
die
zaghaft startende Band Wings zwischen den ersten Touren einen
unheimlichen Spaß
hatte, mit einem Tourbus durch Europa - auch Deutschland - reiste und
auf dem
Deck des Busses in der Sonne lag. Das Album "Ram" (1971) wird dennoch
verrissen. Die Singles "Uncle Albert /Admiral Halsey" und "The
Back Seat Of My Car" sind etwas erfolgreich, zum Bloody Sunday 1972
protestiert McCartney (wie auch John Lennon) mit "Give Ireland Back To
The
Irish".
Zurecht schwören viele noch auf Klassiker wie "Band On The Run"
"Maybe I'm Amazed", "Silly Love Songs" oder "Mull Of
Kintyre". Carlin stellt bei alledem intensiv heraus, wie sich in den
70ern
das Verhältnis zu John Lennon entwickelte, der fast zu dem Wings-Konzert
1976 in
New York gekommen wäre, seine von McCartney ihm überreichten Karten
dennoch
kurzfristig seiner Haushälterin schenkte. Auch wimmelte er McCartney,
als dieser
einen Tag nach dem Konzert unangemeldet vor seiner Tür stand, ab mit dem
Hinweis, es seien nicht mehr die 60er Jahre, in denen man flexibel und
ungebunden gewesen sei. Die Formation Wings ist permanent zur
Neubesetzung ihrer
selbst gezwungen, was natürlich zu spezieller Kreativität führt. Nur
eines von
vielen Beispielen für die Flexibilität Paul McCartneys ist jenes von
"Old
Siam, Sir". Ein Hardrock-Track, der seine Erdigkeit dadurch gewinnt, daß
die Wings untereinander die Instrumente tauschen.
Manchmal hat der Leser den Eindruck, Teile des Gelesenen nahezu
wortgleich
bereits in den Biographien von Ross Benson (1992) oder Barry Miles
(1999)
gelesen zu haben. Auch wirkt das Buch zum Ende (ab 2000) etwas gehetzt:
Der
Autor springt von Jahr zu Jahr, Album zu Album, handelt ein paar Stücke
daraus
ab, als sei die nähere Gegenwart nicht derartig ereignisreich, wie die
70er
Jahre. Das mag aber täuschen. Es gibt dem ungeachtet viele Stellen im
Buch, wo
der Autor mit Details und Hintergründen aufwartet, die für den Fan eine
wahre
Freude zu lesen sind.
Fakt ist: McCartney kann auf ein bewegtes Leben voller Erfolge,
Tragödien und
Niederlagen zurückblicken. Die vorliegende Biografie basiert auf
jahrelanger
Recherche und vielen neuen Interviews mit Freunden, Bandkollegen und
Mitarbeitern. Sie ist damit ein intimes und zugleich aktuelles Porträt
des
Musikers, das bis 2010 reicht.
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