![]() |
|||
|
|
Interview mit Ulrike Bliefert
Ulrike Bliefert, geb. 18.09.1951, studierte Germanistik, Anglistik, Theaterwissenschaften und
Schauspiel. Sie arbeitet als Bühnen- TV- und Filmschauspielerin,
Hörfunksprecherin und Theaterregisseurin. 2006 beendete sie ihre Tätigkeit als
Drehbuchautorin (u.a. “Tatort“) und schreibt seitdem ausschließlich Prosa. Prosa 2007 “Lügenengel“ Jugendroman/Thriller, ARENA-Verlag ISBN:
3401060864
2008 “(K)ein Junge wie Paul(a)“ Jugendroman ARENA-Verlag ISBN
9783401062273
2009 “Elfengrab“ Jugendroman/Thriller THIENEMANN-Verlag ISBN
3522200829
2011 “Bitterherz“, Thriller, THIENEMAN-Verlag ISBN 9783522201032 “Nikes letzter Sieg“
Kurzkrimi in der Anthologie “Berlin Blutrot“
KÖLNISCH-PREUSSISCHE VERLAGSANSTALT, Köln ISBN 978-3-940610-13-3
“Geständnis bezüglich gewisser Vorkommnisse...“ Kurzkrimi in der Anthologie “Mördchen fürs Örtchen“
KBV-Verlag, Hillesheim ISBN 394244609X
Website: www.ulrikebliefert.de
Buechertitel.de: Seit 1974 sind Sie Schauspielerin. Ihre Filmographie ist beeindruckend. Sie haben mit Heinz Rühmann, Christine Hörbinger, Inge Meysel, Rudolf Platte und vielen anderen vor der Kamera gestanden. In den Literaturverfilmungen „Jauche und Levkojen“ und „Nirgendwo ist Poenichen“ von Christiane Brückner, spielten Sie die Rolle der Maximiliane Irene von Quindt. Vielen dürften Sie aus der RTL-Sitcom „Das Amt“ mit Jochen Busse bekannt sein. Aber Sie sind auch Autorin. Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen? Ulrike Bliefert: Das war 1986: Ein befreundeter Journalist bat mich um Hilfe bei einer von ihm geplanten Vorabendserie. Ich recherchierte und arbeitet wie eine Irre. Dann meldete der Gute sich monatelang nicht mehr, und als ich ihn schließlich erreichte, erklärte er: „Jaja, mach Du mal, ich hab keine Zeit.“ Okay, ich „machte“ und schrieb eine erste Folge. Auf verschlungenen Wegen gelangte das Buch in die Hände meines später besten Freundes und Mentors Horst Riesenfeld von der RHEWES-Film. Der las, lud mich zum Kaffee ein und ernannte mich kurzerhand zu seiner Chefautorin. Horst Riesenfeld war einer der letzten großen Tycoons im Fernsehgeschäft. Ein Mann mit Humor, Witz, Risikofreude und einem untrüglichen Riecher. Es waren wunderbare Jahre. In den 90ern ging es dann jedoch rapide bergab mit dem Drehbuchautoren-Beruf. Mit der flächendeckenden Einführung des Computers war der Respekt vor dem geschriebenen Wort geschwunden: Jeder und Jede konnte mit einem Mausklick in den Manuskripten herumfummeln und seine eigenen draus machen. Aus Frust stiegen immer mehr KollegInnen auf Prosa um. Mein Freund Pete Schwindt („Justin Time“, Gwydion“, „Libri Mortis“) sagte: „Meld Dich doch mal beim ARENA-Verlag“. Ich: „Ich kann aber keine Prosa schreiben“. Er: „Kannste doch!“ Frau Düring vom ARENA-Verlag fand das auch, und so entstand mit „Lügenengel“ 2006/07 mein erstes Buch. Buechertitel.de: War es leicht einen Verlag für Ihre Manuskripte zu finden? Ulrike Bliefert: Ich kenne die Probleme von anderen Kolleginnen und Kollegen und ich kann nur jeder/-m raten, die Akquise einer seriösen Agentur zu überlassen! In meinem Fall war es ja gottseidank umgekehrt: Der Verlag schlug mir vor, eine Geschichte für seine Thriller-Reihe zu schreiben, und so fiel der leidige Weg, einen Verlag zu finden, flach. Wenn ich hier schon die Gelegenheit habe, möchte ich rasch einen Tipp an alle Schreib-Anfänger richten: Schreiben Sie nie-, niemals ins Blaue hinein gleich einen ganzen Roman! Verfassen Sie ein Exposé (Anleitungen dazu finden Sie im Internet) und 25-50 Probeseiten. Und damit gehen Sie auf Verlagssuche! Erst wenn Sie einen Verlag für Ihr Werk begeistern konnten, ist es sinnvoll, Hunderte von Seiten zu füllen! Buechertitel.de: Wie haben Ihre Kollegen auf Ihre Veröffentlichung reagiert? Ulrike Bliefert: Mit Lesen ;o) und mit viel, viel Lob und Ermunterung! Buechertitel.de: Ist der Beruf „Autorin“ ein Traumjob? Ulrike Bliefert: Als Tätigkeit: Ja! Zum Geldverdienen: Nein! Man muss schon eine sog. „backlist“, d.h. 4-5 Titel auf dem Markt haben, um davon leben zu können. Es heißt, nur etwa 3% aller deutschsprachigen AutorInnen können von ihrer Arbeit leben. Auch wenn mir diese Zahl übertrieben erscheint: Die meisten KollegInnen haben in der Tat zusätzlich einen Brotjob. Oder es läuft nach der Devise: „Ich schreibe Romane!“ „Ach? Sind Sie reich verheiratet oder haben Sie geerbt?“ Buechertitel.de: Ihr Thriller „Lügenengel“ hat bei einem Onlinehändler hervorragende Leserbewertungen. Dürfen sich Ihre Fans bereits auf ein weiteres Buch freuen? Ulrike Bliefert: Inzwischen ist bei ARENA ein weiteres Buch (ab 9) erschienen; zunächst unter dem leider unglücklichen, da nicht katalogisierbaren Titel „(K)ein Junge wie Paul(a)“. Dieses Jahr wurde es deshalb neu verlegt unter dem Titel „Voll verliebt im Tor“. Beim Thienemann-Verlag sind inzwischen ein Krimi und ein weiterer Thriller („Elfengrab“ und „Bitterherz“) erschienen und in den Kurzkrimi-Anthologien „Mördchen fürs Örtchen“ und „Berlin Blutrot“ befinde ich mich mit meinen Geschichten in der Gesellschaft jeder Menge bekannter Kolleginnen und Kollegen. Buechertitel.de: Anfang letzten Jahres erschien Ihr erstes Jugendbuch. Wie waren Ihre Erfahrungen im Jugendbuchbereich? Ulrike Bliefert: „Lügenengel“, „Elfengrab“ und „Bitterherz“ sind alle drei bei Jugendbuchverlagen erschienen. Das bedeutet jedoch lediglich, dass die Protagonisten zwischen 17 und 20 sind. Gelesen werden die Bücher von allen Altersklassen. Bei „Bitterherz“ hat man deshalb auf eine Altersangabe verzichtet. Leider besteht amazon z.B. auf einer sog. „Altersempfehlung“, die zu allem Überfluss auch noch nach oben hin begrenzt wird (Z.B. 13-16 Jahre). Das ist längst nicht mehr zeitgemäß, denn es suggeriert, dass bereits 17-jährige nichts mehr mit der Geschichte anfangen können. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Immer mehr erwachsene LeserInnen greifen zu Jugend-Krimis und –thrillern, weil es dort mittlerweile keine Tabuthemen mehr gibt, in der Regel jedoch auf sexuell konnotierte Serienmorde und eine übermäßig detaillierte Beschreibung vergammelter Leichen verzichtet wird. Buechertitel.de: Schauspielerin – Autorin wofür schlägt Ihr Herz höher? Ulrike Bliefert: Das kommt auf die Geschichte an, die es zu erzählen gilt: Wenn sie in bewegten Bildern auf dem Bildschirm oder im Kino stattfindet: Wunderbar, dabei zu sein! Wenn sie im Kopf meiner LeserInnen stattfinden wird: Herrlich, die Figuren und Situationen in Form geschriebener Worte zum Leben zu erwecken! Buechertitel.de: Welches ist Ihr Lieblingsbuch? Ulrike Bliefert: Ohje... Fontane und Tolstoi sind meine Lieblingsautoren, und bei den beiden kann ich mich einfach nicht für ein Einzelwerk entscheiden. Das außergewöhnlichste und lustvollste Leseerlebnis hatte ich allerdings mit einem „Außenseiter“, als ich mit Gipsbein, gnadenlos zur Rückenlage gezwungen im Krankenhaus lag: Es handelte sich um „Der Name der Rose“ von Umberto Eco. Das hab ich in Tag- und Nachtschichten tatsächlich in einem Rutsch durchgelesen! Ein grandioses Werk und kongenial übersetzt! Buechertitel.de: Und Ihre Traumrolle? Ulrike Bliefert: Jede, in der die Geschichte und die Figuren stimmen und die Dialoge nicht klingen, als wären „alle von ein’n Vatter“. Buechertitel.de: Liebe Frau Bliefert, ich möchte mich recht
herzlich für dieses Interview bedanken und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute! Ulrike Bliefert: Danke, das wünsch ich Ihnen auch! Das Interview führte Edelgard Kleefisch, Buechertitel.de.
Veröffentlichungen:
|
Suche
Benutzerdefinierte Suche
|
|
Ihr Kommentar