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Interview mit Tommy Krappweis
 Foto: Quelle Tommy Krappweis |
Tommy Krappweis kam am 9. Mai 1972 in München zur
Welt und wurde erst einmal ein "lausiger Schüler". In der dritten
Klasse drehte er seinen ersten Stop-Motion-Film auf Super-8, adaptierte auf der
heimischen Schreibmaschine Ellis Kauts "Pumuckl und die Grippetabletten"
für ein Theaterstück und im Alter von 14 Jahren sang er in Bayerns jüngster
Rock´n Roll-Formation. Schon früh eiferte Tommy Krappweis seinem Vorbild Buster
Keaton nach und übte Slapstick-Stürze vom Küchentisch. Als Stundman und
Slapstick-Comedian in diversen Freizeitparks durfte er das Gelernte mehrere
Jahre lang anwenden und schließlich eigene Stundshos choreographieren.
Im TV erst vor der Kamera (u. a. SoKo 5113, Disney TV) und nach drei Jahren als
Comedian bei RTL, Samstag Nacht wechselte Tommy Krappweis schließlich fast
vollständig hinter die Linse. Sein erster Job als freier Regisseur war ein
Musikvideo für Stefan Raab. Unzählige Sketche, Werbefilme, Videoclips, Standups,
Drehbücher und Regiearbeiten später erreichte die Folge "Rotkäppchen - Wege
zum Glück" aus der Reihe der prosieben Märchenstunde mit Tommy Krappweis
als Regisseur und Headwriter sensationelle 28% Marktanteil.
Schon im Jahr 1999 gründete er die bumm film GmbH für Drehbuch, Regie und
Postproduction, erfand zusammen mit Norman Cöster schließlich die
Ki.Ka-Kultfigur "Bernd das Brot". Für diese gleichsam
seltsame wie unterhaltsame Idee und deren entsprechende Durchführung gab es
2004 den "Goldenen Spatz" und den Adolf-Grimme Preis.
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Buechertitel.de: Herr Krappweis, Sie
haben Ihr erstes Jugendbuch veröffentlicht: Mara und der
Feuerbringer. In einer Pressemeldung habe ich gelesen, dass dieses
Buch aus einer Mischung Harry Potter und dem DaVinciCode bestehen
soll. Wie kam es zu dieser Mischung?
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| Tommy Krappweis: Das soll natürlich nicht als
Anmaßung missverstanden werden. Damit ist gemeint, dass die
Menschen, die an Harry Potter ihren Spaß hatten, auch meinem
Buch Freude haben könnten. Allerdings geht es bei mir um ein
14jähriges Mädchen, das seine Aufgabe eher widerwillig zur
Kenntnis nimmt und deutlich störrischer mit der seherischen Gabe
umgeht. Und der DaVinci-Code steckt in den vielen Fakten über die
germanische Mythologie, um die sich meine Story rankt. |
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Buechertitel.de: Für welche
Altersgruppe ist dieses Buch gedacht?
Tommy Krappweis: Bei meinen Lesungen in
Schulen habe ich gemerkt, dass 12 Jahre ideal sind. Aber ab da geht
es wild kreuz und quer durch alle Zielgruppen und Altersklassen. Wenn
man so will, kann man es auch den Bernd-das-Brot-Effekt nennen, der
ja auch quer durch alle Zielgruppen Fans hat. Oder den
Augsburger-Puppenkiste-Sendung-mit-der-Maus-Jim-Knopf-Effekt.
Buechertitel.de: Für dieses Buch
haben Sie sich eine wissenschaftliche Hilfe geholt - Prof. Rudolf Simek. Er ist Professor
für mittelalterliche deutsche und skandinavische Literatur an
der Universität Bonn, Autor u. a. des Buches „Mittelerde -
Tolkien und die germanische Mythologie". Das war bestimmt eine
interessante Zusammenarbeit?
Tommy Krappweis: Das war manchmal wie „Indiana Jones"
vom Schreibtisch aus. Es ist ein großartiges Gefühl, wenn
die Texte aus der Edda mit all ihren mehrgliedrigen Metaphern
plötzlich nicht mehr wirr vor den Augen wuseln, sondern sich
einem plötzlich öffnen. Vor allem für mich als
wirklich bodenlos schlechten Realschüler war es aber auch
verdammt anstrengend. Ich muss mir das ganze Basiswissen jetzt
aneignen und Professor Simek Löcher in den Torso fragen, weil
ich in der Schule eher durch Abwesenheit glänzte. Wenn ich
tatsächlich mal körperlich anwesend war, steckte mein Kopf
schon wieder in irgendwelchen Super-8-Film-Projekten, Theaterstücken
oder im Bandproberaum. Wegen dem war ich überhaupt in der Schule
- und wegen dem Schlagzeugunterricht.
Buechertitel.de: Warum waren Ihnen
wissenschaftlich fundierte Fakten wichtig?
Tommy Krappweis: Weil es auch mir beim Lesen Spaß
macht, wenn viel Fakt in Geschichten steckt. Mir hat die
Recherchearbeit von Crichton und Co. immer schon imponiert, aber auch
das stimmige Weltengebilde von Tolkien. Und die germanische
Mythologie bietet sozusagen eine faszinierende Welt direkt vor
unserer Haustür. Hier gilt es nur immer wieder, die
deutschtümelnde Spreu mitsamt den wagnerianischen
Flügelhelm-Germanen vom Weizen zu trennen. Dieses Spannungsfeld
ist allerdings auch ein integrer Bestandteil der Story von „Mara
und der Feuerbringer". Denn mein Buch spielt ja zu einem großen
Teil im Hier und Jetzt und da ist das Bild der Germanen und ihrer
Religion nun mal zu einem großen Teil flügelhelmgeprägt
und verhermannsschlachtet.
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Mara und er Feuerbringer Verlag: Egmont Franz Schneider Verlag ISBN-10: 3505126462 ISBN-13: 978-3505126468 332 Seiten 12,95 Euro
Leseprobe



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Buechertitel.de: Ist eine Verfilmung
des Buches geplant?
Tommy Krappweis: Ja, das ist geplant. Aber man kann
ebenso viel planen, wie man sich zu Weihnachten wünschen kann. Letztlich macht das nur Sinn, wenn „Mara" ein großer
Erfolg wird, denn eine Verfilmung kostet in etwa 6-8 Millionen Euro.
Und dazu muss die Basis erst einmal geschaffen werden. Oder etwas
subtiler formuliert: KAUFT!!!.. Oh, Entschuldigung, ich wollte Sie
nicht erschrecken. Darf ich Ihnen helfen, den Kaffee aufzuwischen?...
Buechertitel.de: Auf der Verlagsseite
gibt es schon erste Lesermeinungen. Diese sind alle durchweg positiv.
Das Buch wird sogar von einem Leser besser als Harry Potter befunden.
Spornt Sie das zum Weiterschreiben an?
Tommy Krappweis: Ja, das ist gerade bei
einem Erstlingswerk natürlich großartig. Meine Texte für
Sketche, Standups oder Drehbücher gehen sicher schon in die
Tausende, aber ein Buch ist eben etwas völlig anderes. Auch die
Rezensionen auf Amazon sind sehr motivierend - ich bin wirklich sehr
erleichtert, dass das Buch gut ankommt. Ich hatte auch in ein paar
Fantasy-Fan-Foren gepostet, denn ich wollte natürlich unbedingt
wissen wie die Fantasyfans auf mein Buch reagieren. Schließlich
zähle ich mich selbst dazu. Auf Fantasy-forum.net habe ich sogar
eine virtuelle Leserunde begleitet. Das heißt, dass die
Forenmitglieder jeden Abend Postings mit Meinungen und Fragen zu
bestimmten Leseabschnitten hinterließen, die ich dann
kommentierte. Das war vielleicht die schönste und spannendste
Erfahrung bis jetzt, die Meinungen waren zum allergrößten
Teil positiv bis begeistert. Aber natürlich gab es auch
kritische Stimmen, die mir wiederum bei meinen Folgebänden sehr
viel helfen werden. Aber selbst die Kritiker hatten oft Spaß am
Humor oder den präsentierten Fakten und auch der Anhang von
Professor Simek mit Begriffs- und Namenserklärungen kam gut an.
Allerdings muss man sagen, dass ich es mit einem humorvollen Ansatz
auch leichter habe, als zum Beispiel jemand der ernste „High
Fantasy" schreibt. Der „Herr der Ringe" ist ja auch nicht
gerade für seine zündenden Gags bekannt. Man ist schon
weniger angreifbar, wenn man sich selbst nicht allzu ernst nimmt oder
nehmen muss.
Buechertitel.de: Mara hat eine
esoterisch begeisterte Mutter, die größtenteils für
den Humor im Buch verantwortlich ist. Gibt es da biografische
Parallelen?
Tommy Krappweis: Oh ja, die gibt es. In
meiner Familie wurde schon mal nach Wasseradern oder Magnetfeldern
gewünschelrutet und auch die Energy-Vital-Pyramide zum
energetischen Frischhalten von Obst habe ich nicht erfunden... Das
hat sich gottseidank alles irgendwann wieder gelegt, weil es dann
doch die Schilddrüse war - aber in dieser Zeit habe ich viel
Stoff gesammelt. Auch die Mutter einer Exfreundin war zeitweise
intensiv auf Wahrheitssuche und daher habe ich das Baumsprech-Seminar
vom Anfang des Buches. Meine Exfreundin hat „Mara" vor kurzem
gelesen und mir eine Mail geschrieben, dass ich das gerne noch hätte
auswalzen können. Aber es sollte ja halbwegs glaubhaft bleiben -
auch in einem Fantasyroman. Das ganze Buch ist auch ansonsten voll
mit kleinen und großen Beobachtungen, die ich Mara in den Mund
gelegt oder ins Hirn gestopft habe. Für einen Fantasyroman habe
ich insgesamt eigentlich gar nicht so viel frei erfunden.
Buechertitel.de: Welches war Ihr
Lieblingsbuch in Ihrer Jugend?
Tommy Krappweis: Das wäre dann wohl „Jim Knopf". Später wurde es „Der Herr
der Ringe", dann kamen Douglas Adams, Terry Pratchett, Stephen R. Donaldson,
Philip J. Farmer, Crichton und natürlich Neil Gaiman. Nicht nur mit seinen
Büchern sondern gerade auch mit seinen fantastischen Sandman-Comics, die für
mich nichts anderes sind als bebilderte Literatur.
Buechertitel.de: Sie sind Schauspieler,
Comedian, Moderator, Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und nun auch
Buchautor. Was streben Sie noch an?
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Tommy Krappweis
Der Erfinder von "Bernd das Brot", spielt auch in einer Band. |
Tommy Krappweis: Ehrlich gesagt strebe
ich nicht nach Posten oder Berufsbezeichnungen. Ich habe nur diesen
kreativen Drang, der sich in Büchern oder auf der Bühne
ebenso niederschlagen kann wie beim Marionettenspiel, Musik
komponieren, Sketche schreiben oder LEGO bauen. Als ich „Mara“
fertig hatte, habe ich zum Beispiel beim Lego-Online-Shop die
„Burg-Teile“ gekauft, die ich als Kind immer schon haben wollte
und erfüllte mir den Traum, endlich eine richtig tolle Burg
ausschließlich mit grauen und schwarzen Steinen bauen zu
können. Bunte Burgen sind doof. Und an Sylvester spiele ich mit
meiner Band „Harpo speaks“ in einem Hotel in Tirol. Das ist auch
eine sehr spontane Art der Kreativität, denn wir haben weder
feste Abläufe noch ein fixes Programm. Alles wird improvisiert,
funktioniert nur durch Zusammenspiel und dadurch, dass wir schon seit
über 16 Jahren zusammen spielen. Ist aber kein verstiegenes
Kleinkunstprojekt, sondern durchaus spaßtauglich und tanzbar.
Wenn Sie wollen, können Sie sich das anschauen auf
http://www.youtube.com/watch?v=GadMpkc87eY . Mit dieser Band verfolge
ich auch keine Karriere als Topmodelsuperstar sondern ich will nur
spielen. Vielleicht fasst das diesen ganzen Salbader am besten
zusammen: „Der will doch nur spielen.“
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Buechertitel.de: Herr Krappweis, ich
bedanke mich recht herzlich bei Ihnen für dieses Interview und
wünsche Ihnen alles Gute.
Tommy Krappweis: Ich danke Ihnen für
die Aufmerksamkeit und bitte entschuldigen Sie den Kaffee auf Ihrem
Hund.
Das Interview führte Edelgard Kleefisch, Buechertitel.de
Tommy Krappweis hat auf Buechertitel.de auch einen Autorenbeitrag veröffentlicht.
Der Weg der Vermeidung oder Wie "Mara und der Feuerbringer " was warum nicht wurde
Über das Buch:
Die 14-jährige Mara Lorbeer wäre
am liebsten ein ganz normales Mädchen. Ohne diese nervige
Tagträume wegen denen sie in der Schule gehänselt wird, und
am besten auch ohne irgendwelche anderen besonderen Merkmale! Doch
dann erfährt Mara, dass ausgerechnet sie die letzte Spákona
- eine germanische Seherin - ist, die ganz alleine einen wütenden
Halbgott namens Loki fesseln sollt! Also das genaue Gegenteil dass,
was sie sich am sehnlichsten wünscht, vielen dank. Und ihre
esoterisch begeistere Mutter ist da ganz sicher auch keine Hilfe,
denn die ist genug beschäftigt mit dem nächsten
Baumsprech-Seminar. Es hilft nichts: Mara muss sich der Aufgabe
stellen und lernen, ihre besondere Gabe zu akzeptieren....
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