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Idaeisches Licht. Erstes und Zweites Buch



idaisches-licht
Idaeisches Licht

Uwe Lammla
Verlag: Engelsdorfer Verlag
ISBN-10: 3867036446
ISBN-13: 978-3867036443
127 Seiten
9,70 Euro



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Rezension von Daniel Bigalke

Empirisch-soziologische Untersuchungen sind oftmals an den Gesellschaftsstrukturen orientiert und haben die Form der Kulturkritik. Das Modell des zivilisatorischen Apparates einer Linearität des Fortschrittes wird verworfen, indem man sich auf die griechische Mythologie mit ihrem linearen Geschichtsbild beruft, um den mentalen Progressismus der Moderne über die klassische Linearität zu kompensieren. Diese Haltung möchte heraustreten aus dem Fortschrittsglauben, dem Chiliasmus und der Utopie. Sie bezieht sich oft auf das Denken der mediterranen Sphäre, in der Geschichtlichkeit oft als eigenständiger Vorgang betrachtet wird, der kein Ende hat. Sie steht der Annahme des Progressismus entgegen, dessen Vorstellung postuliert, daß die Geschichte einen absoluten Beginn und ein notwendiges Ende besitzt.

Mediterranität und Zivilisationskritik am unbegrenzten Fortschritt korrelieren also, um zu verhindern, daß die Wertbestimmung des Menschen nur in der Fassade der reinen, leeren Funktionsbestimmung erfolgt. So wies auch der Soziologe Arnold Gehlen auf den Leerraum hin, der sich in der komplexen modernen Zivilisation zwischen dem, was einer tut, und dem, wovon er abhängt, öffnet. Frühere politische Systeme der mediterranen Antike, so etwa Platons Werke, hoben den Menschen hervor. Jetzt ist dieser nur noch in Kategorien und Tarifen dem System eingepaßt und scheinbar zur Passivität verdammt.

Dieses Buch nun ist ein Hymnus auf die mediterrane Kultur mit ihrem ganz eigenen, oft beschriebenen, Licht. Auf einer Reise nach Sparta, Kreta und die Kykladen würdigt der Autor Landschaft und Pflanzenwelt, Mythos und Kunst, Lebenswelt und Sensus unter dem Himmel des Zeus. Die Überhöhung einer großen Vergangenheit trifft sich mit der beschriebenen vernichtenden Kritik der Moderne und mit dem Ergebnis einer Liebeserklärung an den lakonischen Ethos. Es ist die Aufgabe des Dichters, diese Anklage zu erheben - unabhängig, felsenfest und überzeugt.

Der Dichter weiß, daß die Kultur den Geist nach der herrschenden Ideologie formt und man auf die Struktur der politischen Macht Einfluß ausüben kann, indem man auf den Überbau der Kultur und der Ideen beispielsweise lyrisch einwirkt. Suggestibilität und Beeinflussung bedeuten dem Dichter nichts, sondern nur die verstärkte Selbstwahrnehmung und Selbstreflexivität. Es ist das Dilemma des leidenden Dichters zwischen weltlicher Abseitigkeit und potentiellem Ruhm, an dem Hölderlin zerbrach und dem Lammla hier treffliche Verse zukommen läßt. So kommt er im "Polemos" nur folgerichtig zu dem Schluß:


"Verwahre dein Herz dem Gemeinen
Und halte Dein Späheraug blank,
Und hüt dich vor solchen, die meinen,
Sie schuldeten Göttern nicht Dank."


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