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Die Karte meiner Träume

 

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Die Karte meiner Träume
Reif Larsen
Verlag: Fischer
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3100448111
ISBN-13: 978-3100448118
435 Seiten
22,95 Euro


Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten:

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Rezension von Gina Mayer

Na, so richtig weit bin ich bislang noch nicht gekommen mit meinem Vorhaben, alle Nominierungen zum diesjährigen Jugendliteraturpreis zu lesen. Nach „Zweiunddieselbe" von Mary E. Pearson (http://www.facebook.com/notes/gina-mayer/ausgelesen-mary-e-pearson-zweiunddieselbe-the-adoration-of-jenna-fox/426210318792) und „Mutige Menschen" von Christian Nürnberger (http://www.facebook.com/note.php?note_id=435733948792) ist „Die Karte meiner Träume" erst das dritte Buch auf der umfangreichen Liste.

Der Roman handelt von dem zwölfjährigen T. S. Spivet, einem Nerd aus Montana, USA, der sich ganz der Kartographie verschrieben hat. T. S. kartographiert und dokumentiert einfach alles: Den Salzgehalt von Flüssigkeiten, die Schallwellen von Schüssen und nervöse Handbewegungen. Er macht das so meisterhaft, dass er von der Smithsonian Museumsstiftung einen Preis verliehen bekommt. Allerdings sind sich die Juroren nicht bewusst, dass T. S. kein Erwachsener, sondern ein Kind ist.

T. S. klärt das Missverständnis auch nicht auf, sondern beschließt, den Preis anzunehmen. Heimlich verlässt er die elterliche Farm und macht sich auf eine Reise quer durch die Vereinigten Staaten, von Montana nach Washington D. C.

Das ist - kurz zusammengefasst - der Plot des Romans. Die innere Entwicklungsgeschichte, die der Ich-Erzähler durchläuft, ist um vieles komplexer. Recht früh erfährt der Leser, dass T. S. (T. S. steht für „Tecumseh Sparrow", aber auch das ist wieder eine Geschichte für sich) bei einem Unfall seinen jüngeren Bruder getötet hat. Der Tod des Jüngsten hat die ohnehin schon komplizierte Familienstruktur der Spivets endgültig gesprengt. Die Mutter, die T. S. immer nur Dr. Clair nennt, vergräbt sich in ihre Käferforschungen, der Vater stürzt sich in seine Farmarbeit, er beachtet T. S. so gut wie gar nicht.

Und T. S. verliert sich in seinen Karten und Illustrationen. Auch auf der Reise in den Osten dokumentiert er alle seine Eindrücke in Skizzen, die im Buch auf dem breiten Rand neben dem Text abgedruckt sind. (Beispielsseite s. unten) Auf manchen Seiten sind die Randbemerkungen zu den originellen Zeichnungen länger als der eigentliche Text. Als Leser wird man also kreuz und quer geleitet, überall stößt man auf neue Geschichten und Geschichtchen - über T. S.s´ Leben auf der Farm, seine Erkenntnisse oder seine Urururgroßmutter Emma Osterville.

T. S. Spivets Geschichte ist wirr, und sie wird geradezu absurd, als er endlich in Washington ankommt. Aber bevor das Ganze völlig ins Phantastische abdriftet, kommt es zu einer Auflösung, die so wunderbar und tröstlich und genial ist wie der ganze Roman.

„Die Karte meiner Träume" ist ein Kunstwerk, sowohl in literarischer als auch in gestalterischer Hinsicht. Meine Bewunderung gilt nicht nur dem Autor, der sich das Ganze ausgedacht hat, sondern auch dem amerikanischen Verlag Penguin Press, der den Mut hatte, dieses komplizierte Meisterstück umzusetzen und zu drucken. "Die Karte meiner Träume" ist ein Buch, in dem man sich verliert, das einen zum Lachen, zum Weinen, zum Träumen und zum Nachdenken bringt. Und was kann man als Leser mehr verlangen?

 

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