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Die Geschichte des historischen Romans
Gabriela Galvani stammt aus einer Künstlerfamilie und wurde in Norddeutschland geboren, wuchs aber in der Südschweiz auf. Sie studierte Amerikanistik, Kulturmanagement und Politikwissenschaften und arbeitete als Redakteurin für verschiedene Printmedien. Zuletzt erschien von ihr der Roman „Die Seidenhändlerin“ im Aufbau Taschenbuch, der beim Delia-Literaturwettbewerb 2009 den 2. Platz belegte. Gabriela Galvani lebt mit ihrer Familie im Tessin und in München.
Die Geschichte des historischen Romans VON GABRIELA GALVANI
Kaum ein Genre der Unterhaltungsliteratur konnte in den vergangenen zwanzig Jahren so hohe Zuwachsraten verbuchen wie das des historischen Romans. Das ist zwar nicht der Grund, warum ich historische Romane schreibe, aber doch ein bemerkenswerter Aspekt, zumal die internationale Erfolgsgeschichte - trotz der Vielzahl an anglo-amerikanischen Autoren - in Deutschland ihren Anfang nahm. Und das nicht erst seit Noah Gordens „Medicus" in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts: Dieses Buch wurde nämlich in keinem anderen Land so oft verkauft wie bei uns. Der wahrscheinlich erste historische Roman der Neuzeit wurde von einer Frau aus Leipzig geschrieben - Christiane Benedikte Naubert (1756-1819). Sie verfasste über 50 Bücher, die alle etwas gemeinsam haben: Die Geschichten handeln von historischen Randfiguren, erzählen von Liebe, Schmerz, Verrat und Freundschaft und sind vornehmlich in der Zeit des Mittelalters angesiedelt, meist in England. Das entspricht in etwa dem Muster, nach dem auch heute noch Bestseller geschrieben werden.
Wie stark historische Romane ihre Leser beeinflussen können, beweist auch das Beispiel „Ben Hur" von Lew Wallace, einem Rechtsanwalt aus dem US-Bundesstaat Indiana. Der 1880 erschienene Roman war nach der Bibel das meistverkaufte Buch in den USA des 19. Jahrhunderts und wurde 1959 mit Charlton Heston in der Hauptrolle verfilmt. Eine der zentralen Szenen ist die brutale Galeerenstrafe, die dem Protagonisten auferlegt wird. Gut 100 Jahre lang hielt sich die Meinung sogar unter Historikern, dass es sich dabei tatsächlich um eine im alten Rom übliche Verurteilung handelte. Inzwischen ist aber belegt, dass es im Römischen Reich keine Galeerenstrafen gab - wer eine Galeere rudern wollte, benötigte eine fünfjährige Ausbildung, das war mit Delinquenten nicht zu machen. Allerdings wurden Straftäter Ende des 19. Jahrhunderts in den USA zum Schiffsdienst verurteilt - das erklärt, warum Lew Wallace in seiner Romanhandlung das selbe Strafmaß rund 2000 Jahre zuvor beschreibt. Politische Überlegungen spielten bei vielen Verfassern historischer Romane eine wichtige Rolle. Alessandro Manzonis „Die Brautleute" etwa erlangte große Bedeutung beim italienischen Freiheitskampf, obwohl das 1840 veröffentlichte Buch doch „nur" eine 1628 in Mailand angesiedelte Liebesgeschichte ist. Der Literatur-Nobelpreis 1905 für Henryk Sienkiewicz („Quo vadis") stärkte das Nationalgefühl der Polen. Stefan Zweig, Leon Feuchtwanger und Heinrich Mann schrieben in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts mit ihren historischen Romanen gegen den Nationalsozialismus an. Von diesen Ambitionen sind die meisten meiner Kollegen wie etwa auch das Erfolgsautorenpaar Iny Lorentz („Die Wanderhure") und ich heute weit entfernt. Uns geht es eher darum, unseren Lesern und Leserinnen gut recherchierte Unterhaltung zu bieten. Das haben wir mit Alexandre Dumas („Die drei Musketiere") im 19. und Umberto Eco („Im Namen der Rose") oder Ken Follett („Die Säulen der Erde") im 20. Jahrhundert gemeinsam. Aber eigentlich wollte die Urahnin der historischen Romane, Benedikte Naubert, auch nichts anderes. Und die beliebten Ritterepen des 16. Jahrhunderts waren Liebesgeschichten, mit denen eher eine Dame umgarnt als eine Gesellschaft angegriffen werden sollte. Diese im Mittelalter angesiedelten Dichtungen waren es, die manchem Druckerverleger des 16. Jahrhunderts ein Vermögen bescherten; die Schriftsteller profitierten von ihrer Arbeit allerdings nicht immer, denn es gab damals noch keinen Schutz des geistigen Eigentums, also kein Urheberrecht, und ein Autor stand finanziell häufig auf dem Niveau eines Tagelöhners. Es existierten jedoch bereits staatliche Privilegien für Verleger und Drucker. Das ist der historische Hintergrund meines neuen Romans „Die Hüterin des Evangeliums". Ich sah mich nicht als Vorbild für die (erfundenen) Autoren in meiner Geschichte, aber es gibt in der Historie erstaunlich viele Duplizitäten zu heute. Deshalb ist die Geschichte des Buches und ganz besonders des historischen Romans zu meinem Steckenpferd geworden. „Die Hüterin des Evangeliums" von Gabriela Galvani, erschienen im Aufbau-Verlag. Zum Inhalt des Buches: Die Macht der geheimen Schrift
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