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Der Herrgott weiß, was mit uns geschieht von Eberhard Neubronner und Rudolf Werner

Der Hergott weiß..
Der Herrgott weiß, was mit uns geschieht
Die Schwestern von der Albmühle
Silberburg-Verlag
ISBN-10: 3-87407-764-0
ISBN: 978-3-87407-764-4
119 Seiten
22,90 Euro



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Rezension von Edelgard Kleefisch

Bei Stetten im Laucherttal (Schwäbische Alb) leben Klara (*1924) und Marie Walz (*1915) ohne Elektrizität und Wasseranschluss. Sie betreiben dort die Albmühle, eine Mahlmühle, die später zur Sägemühle umgebaut wurde. Der Bau gehörte einst zum Schloss Hölnstein und wurde 1406 erstmals erwähnt.
Die Zeit scheint an den Geschwistern vorbeigezogen zu sein. Luxus oder Komfort brauchen die alten Frauen nicht. Für sie ist nur wichtig: „Wer zufrieden ist, der ist auch gesund“. Marie und Klara haben gelernt, sich mit dem schlichten Leben zu arrangieren. In diesem Buch erzählen sie, wie alles begann und warum sie es nicht aufgeben wollen. Die Brüder Wilhelm und Josef sind während des Kriegs in Russland umgekommen, der Vater starb mit 39 Jahren an einem Leberriss, nachdem ihm ein aus der Säge springendes Holzstück die damals noch todbringende Verletzung zufügte. Da mussten beide Töchter die Sägemühle weiterführen und für den Unterhalt der Familie sorgen. Einen Mann gab es zwar einmal in Klaras Leben, aber es hat nicht sollen sein. Unglücklich ist sie darüber nicht. Doch nun, seit Marie Walz 2001 im Alter von 85 Jahren starb, fristet Klara ihr Leben allein. Klara macht sich Gedanken darüber, was mit der Mühle geschieht - wenn sie einmal nicht mehr da sein wird. Denn: „Wie mir gleabt hand, leabt neamad mai.“
Das Buch zeigt ein beeindruckendes Porträt zweier Frauen, die trotz ihres hohen Alters und völlig auf sich gestellt noch eine Sägemühle und etwas Land bewirtschaften. Der kleinen krummen Marie Walz fällt die Arbeit schwer. Sie schafft es nur noch mit Mühe, die Treppe im Haus hinaufzusteigen. Trotzdem beklagt sie sich nicht. Anfallende Arbeiten werden nach jeweiligen Fähigkeiten verteilt. Zwar wird manchmal auch gestritten, doch ein Leben ohne die Schwester kann sich weder Klara noch Marie vorstellen.
Ein nachdenklich stimmendes Werk. Beide Frauen führen ein Leben in Gottvertrauen und Hoffnung, ohne die Hilfe moderner Technik. Was machte sie so stark? Warum haben Klara Walz und ihre Schwester Marie nie den Versuch unternommen, ihre Situation zu ändern? Dies treibt den Leser und Betrachter der Bilder fasziniert durch das Buch.
Sehr lebendig wirken vor allem jene Erzählungen, die der Autor Eberhard Neubronner im Dialekt wiedergibt. Wer damit nicht zurecht kommt, kann sich des Glossars bedienen. Beeindruckend Fotos zeigen die Frauen in ihrer privaten Atmosphäre ganz natürlich und unbefangen. Dieses Buch ist ein wahrhaft einzigartiges menschliches Dokument von berührender Intensität.
Der Regisseur Rudolf Werner konnte die Walz-Schwestern mit seinem SWR-Fernsehteam fünf Jahre lang begleiten. Eberhard Neubronner hat ihnen nun auch literarisch ein Denkmal gesetzt.
Zum Interview mit dem Autor.

Die Autoren:

Eberhard Neubronner, geboren 1942 in Ulm, arbeitet seit 1990 als freier Schriftsteller. Davor war er als Redakteur bei der Südwest Presse und als Radioreporter tätig. Er ist Autor von zum Teil preisgekrönter Reiseliteratur.

Rudolf Werner, geboren 1941 in Elbing (Ostpreußen), war zunächst Redakteur beim Pfälzer Tageblatt und beim Mannheimer Morgen. Von 1966 bis 2006 arbeitete er als Filmemacher für die ARD. Er hat zahlreiche Filmbeiträge und Reportagen sowie rund 100 Dokumentarfilme gedreht. Für sein filmisches Schaffen erhielt er mehrere Auszeichnungen.




Ihr Kommentar

Kommentar von Susanne Jeschke | 24.04.2011

das allerbeste was ich in den letzten Jahren im Fernsehen gesehen habe. Eine ganz tolle Lebensgeschichte zweier bemerkenswerten Frauen. Vielen Dank dafür.
Susanne Jeschke aus dem Schwabenland

Kommentar von Peter Stefan | 08.04.2012

Soviel Demut und Gottvertrauen trieb mir die Tränen in die Augen und mein Herz ertrank.

Kommentar von Teichmann, Andrea | 09.04.2012

Ich war sehr beeindruckt, habe mir den Film aufgenommen und kann ihn nun immer, wenn´s mal zwickt oder die Gelegenheitsmelancholikerin sich melden will, ansehen und Gottvertrauen von den beiden Schwestern lernen. Ein WUNDERBARER Film. DANKE!

Kommentar von Rolf Knoll | 26.08.2012

Ich habe die DV schon sehr oft gesehen aber ich bin immer wieder neu fasziniert vom Leben dieser beiden beeindruckenden Frauen!

Kommentar von Rolf Knoll | 29.08.2012

Hut ab vor der Lebensleistung dieser beeindruckenden Schwestern! Sie beschämen durch ihr Vorbild die ständig Unzufriedenen.
Ihr Leben stellt ein Stück Geschichte dar, ohne zu belehren. Wir sollten uns bei den Schwestern Walz sehr bedanken

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