Buechertitel.de - Bücher Shop

Der Fürst



der-furst
Der Fürst

Niccolo Machiavelli
Verlag: Insel
ISBN-10: 3458344721
ISBN-13: 978-3458344728
170 Seiten
8,00 Euro



Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten:
amazon.de

bol.de



Rezension von Daniel Bigalke

Um 1500 erfolgten erste Ansätze einer Globalisierung, erste Raubzüge, Entdeckungsfahrten sowie die Herausbildung von Nationalstaaten. Die Reformation erwirkte eine Denk- und Mentalitätsrevolution, Glaubens- und Bürgerkriege. Es beginnen der okzidentale Rationalismus und die Entzauberung der Welt. Die Politik nimmt eine eigene Rationalität an, deren Zentrum die Frage nach der eigentlichen Selbsterhaltung des Menschen ist.

Niccolo Machiavelli gehört in diese Zeitperiode. Er ist Begründer der Neuzeit und politischer Reformbeamter in Florenz. Er setzt den politischen Realismus und Pragmatismus durch und stellt den Unterschied fest zwischen: "Das Leben ist" und "Das Leben soll". Sein Fazit: Man solle sich auf den realen Zustand beziehen und eine pragmatische auf Effizienz ausgerichtete Politik mit der Selbsterhaltung im Zentrum (autoconservatione) betreiben. Der "Principe" - der Fürst - ist in Machiavellis Augen machtpolitikorientiert. Er fragt im vorliegenden Buch - seinem Hauptwerk: "Was soll der Fürst zum Erhalt seiner Macht und Selbsterhaltung tun?" Jede aristotelische Teleologie war ihm damit zuwider.

Seit dieser Schrift versteht man in der Politik unter Machiavellismus eine skeptisch-realistische Anthropologie, die Menschen als weder gut noch schlecht einschätzt. Bei Bedrohung könne der Mensch immer auch tierische Eigenschaften annehmen. Fortuna (virtú) sei die wahre Tugend, die bedeutet, daß anhand der Umstände große Chancen erkannt werden müssen, um Macht zu gewinnen. Es entsteht der politische Unternehmer, der die Möglichkeiten anpackt.

Es liegt in diesem Buch, das seit dem 16. Jahrhundert Grundlagenlektüre eines jeden Staatsmannes war, erstmals keine Theorie des Abwartens mehr vor, sondern eine Theorie der Macht, die durch den Fürsten zu erringen ist. Die Macht wird zum Mittel überhaupt. Man müsse ihr zuliebe gelegentlich Gewalt gebrauchen, beherzt zugreifen und alle Gewalt anwenden. Das Ziel Machiavellis ist in Kapitel 26 des "Principe": Errettung vom fremden Despotismus und den Barbaren. Ein Tapferer mag die Macht ergreifen und Italien befreien.

Die vorliegende Ausgabe des Standardwerkes wurde aus dem Italienischen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski übersetzt. Der berühmteste politische Traktat der Renaissance analysiert mit schonungslosem Rationalismus die Voraussetzungen für Erwerb und Erhalt politischer Macht.
Die in diesem edlen Band vorliegende Analyse der Politik, wie sie tatsächlich war und ist, aufgeschrieben vor 500 Jahren, hat an Reiz nichts verloren.


Ihr Kommentar

Suche

Benutzerdefinierte Suche