![]() |
|||
|
|
Siegfried Langer wurde 1966 in Memmingen geboren, seit 1996
lebt er in Berlin.
Von 70 Absagen zum Spitzentitel VON SIEGFRIED LANGER Es gibt Themen, die treiben dich um, solange du lebst. Ohne
dass du es selbst beeinflussen kannst: Immer wieder ziehen sie deine
Aufmerksamkeit auf sich!
Als würde eine Art Magie dahinterstecken, bringen sie dich
dazu, zu entsprechenden Büchern zu greifen, zu Fernsehsendungen zu zappen oder
zu Internet-Seiten zu surfen.
Eines dieser Themen ist für mich der Nationalsozialismus und
dabei vor allem die dahinter lauernde Frage: Wie hättest du dich selbst
verhalten, wenn du 50 Jahre früher geboren worden wärst?
Ich bin unendlich dankbar, dass diese Frage nur
hypothetischer Natur ist.
Bereits vor meinem Umzug 1996 vom Allgäu nach Berlin hatte
ich erste Versuche unternommen, diese mich so bewegende Frage schriftstellerisch
aufzubereiten. Es sollte kein 'schwerer' Roman werden; er sollte in der
Spannungsliteratur angesiedelt sein, aber eben anspruchsvoll und zum Nachdenken
anregend.
Zunächst bin daran kläglich gescheitert. Zum einen war ich
schriftstellerisch noch nicht soweit, zum anderen fehlte mir Lebenserfahrung.
Danach, mit zeitlichem Abstand, erkennt man solche Gründe.
In Berlin dann, wo beinahe jeder Backstein Geschichte
ausstrahlt, begleitete mich das Thema auf Schritt und Tritt. In jeder
Altbauwohnung beispielsweise drängten sich Fragen auf: Was war damals hier in
diesen Räumen passiert? Wer lebte hier zwischen 1933 und 1945?
Letztendlich blieb mir gar nichts anderes übrig, als mir von
der Seele zu schreiben, was mich bewegte: Alles bleibt anders entstand.
Für einen Debüt-Roman habe ich es mir – aus markttechnischer
Sicht – alles andere als einfach damit gemacht. Ein schwieriges Thema, so
aufgearbeitet, dass es in kein Genre hineinpasst, denn ich hatte mich dafür
entschieden, ein alternatives Deutschland aufzubauen, ein Deutschland in der
Gegenwart, das 1945 siegreich aus dem Zweiten Weltkrieg hervorging. Womit wir
alle, die wir heute hier leben, mit meiner persönlichen Eingangsfrage
konfrontiert wären.
Alles bleibt anders ist kein Science Fiction-Roman, kein
historischer Roman, kein Thriller - und dennoch hat er eben Elemente aus allen
drei Genres.
Schwierig für einen Verlag, solch einen Genre-Hybriden im
Markt zu positionieren. 70 Absagen habe ich letztendlich dafür eingeheimst, so
gut wie alles Formschreiben. Nach zwei demütigenden und demotivierenden Jahren
bin ich dann im kleinen aber feinen Atlantis Verlag gelandet. Dafür, dass er in
einem Kleinverlag erschien, hat sich Alles bleibt anders dann überraschend gut
entwickelt. Gute Rezensionen, Preisnominierungen und auch passable
Verkaufszahlen.
Grund genug für mich, an mich zu glauben und weiterzumachen.
Ich widmete mich dem zweiten Thema, das mich umtreibt. Ich
verschweige es hier - sorry - und werde
das Geheimnis irgendwann an anderer Stelle lüften und dann wird auch
ersichtlich werden, warum ich dies tue. Ja, ich erzeuge gerne Mysterien.
Jedenfalls brachte mir dieser Roman keine Veröffentlichung
ein, aber einen sehr guten Kontakt zu einem Literaturagenten, was wiederum
innerhalb kurzer Zeit auch in einen Agenturvertrag mündete.
Mit beiden Themen hatte ich mich nun – sagen wir mal –
'freigeschrieben'.
Und ich hatte nun einiges an Schreiberfahrung gesammelt (vor
Alles bleibt anders waren übrigens bereits zwei komplette Manuskripte für die
Schublade entstanden, aus heutiger Sicht Gesellenstücke) .
Am liebsten lese ich Thriller und Krimis. Also schielte ich
jetzt auf dieses Genre. Am meisten beeindruckten mich Autoren wie Robert
Goddard und Minette Walters und natürlich Sebastian Fitzek, der zu diesem Zeitpunkt
meiner Entscheidung seine ersten Erfolge feierte.
Weiterhin faszinieren mich Filme wie Pulp Fiction, Memento
oder Twelve Monkeys. Sie erzählen ihre Geschichten nicht chronologisch, sondern
geben erst nach und nach ihre Geheimnisse preis, verstreuen Puzzlestücke, die
der Zuschauer erst am Ende zu einem Bild zusammensetzen kann.
Wunderbar: Ich hatte eine Zielvorgabe!
Ich wollte ebenfalls ein Puzzlespiel erschaffen, das den
Leser verwirrt und gleichzeitig bei der Stange hält, das dem Leser mit jeder
Antwort gleichzeitig eine neue Frage mitgibt.
Ich entwickelte Vater, Mutter, Tod.
Von den 38 Kapiteln spielten lediglich zwei direkt
hintereinander. Und zu meiner großen Freude erzählten mir alle meine Testleser,
dass der Plot hervorragend funktioniert und man stets weiß, wo man sich
handlungstechnisch befindet.
Erstes Aufatmen.
Mein Agent sah es genauso.
Zweites Aufatmen.
Er bot es an. Binnen sechs Tagen gab es die Rückmeldung von
Ullstein. Sie wollten den Stoff unbedingt haben. Vater, Mutter, Tod sollte als
Spitzentitel als List Taschbuch erscheinen.
Drittes Aufatmen, großes Aufatmen.
Jetzt, ein Jahr später, erscheint der Roman endlich.
Es war unendlich leicht, einen Publikumsverlag zu finden -
und gleichzeitig unendlich schwer.
Jetzt bin ich gespannt, was die Zukunft bringt!
Liebe Grüße
Siegfried Langer
Berlin, im Mai 2011
Veröffentlichungen:
|
Suche
Benutzerdefinierte Suche
|
|
Ihr Kommentar